Wer über Künstliche Intelligenz (KI) in der Rechtsbranche schon einmal fantasiert hat, wird schnell zu der Erkenntnis gekommen sein, dass wohl kaum der Terminator im Anzug hinter dem großen Eichenholztisch sitzt und Mandatengespräche führt. Doch wie kann man sich KI dann im Arbeitsalltag vorstellen?

Bevor man sich mit der Auswirkung dieser Technologien in unserem Umfeld auseinandersetzt, wäre es sinnvoll zuerst die Materie der Künstlichen Intelligenz und den Unterschied zwischen schwacher und starker KI genauer unter die Lupe zu nehmen.

Künstliche Intelligenz / Artificial Intelligence

Eine allgemein anerkannte Definition für AI(=KI) ist derzeit nicht vorhanden. Wahrscheinlich nicht nur, weil der Umfang dieses Gebiets an sich schwer zu erschließen ist, sondern auch, weil die Fähigkeiten von ihren zeitlichen Rahmen beeinflusst sind und Mensch sich nicht gänzlich im Klarem ist was AI alles kann. Richard Kemp sagt hierzu:“ It’s only AI until you know what it does, then it’s just software.“

Was lässt sich also über die Technologien sagen, von denen wir zumindest versuchen uns ein genaueres Verständnis anzueignen? Eine Unterscheidung nach starker und schwacher AI steckt die Themengebiete und derzeitigen Möglichkeiten sinnvoll ab. Starke Künstliche Intelligenz beinhaltet menschliches Bewusstsein, Selbsterkenntnis, Empfindungsvermögen, Weisheit sowie die mentale Kapazität, welche unter anderem, planen, Probleme lösen, argumentieren, abstrakt denken, komplexe Ideen verstehen, schnell und auch daraus lernen kann. Ist also folglich nicht mehr nur reaktiv, sondern auch aus eigenem Antrieb, intelligent und flexibel. Jedoch muss strong/general AI auf emotionaler Ebene dem Menschen nicht stark ähneln. Eine Vorhersage wann die Wissenschaft diese Art KI realisieren kann, ist umstritten.
Schwache KI (weak/narrow AI) jedoch finden wir bereits jetzt in unserer unmittelbaren Umgebung in Form von: Spracherkennung (Siri, Google Translate), Navigationssysteme, Schachcomputer, etc. Schwache KI befasst sich in der Regel mit konkreten Anwendungsproblemen. Durch bloße Rechnerleistung ohne die Handlung zu verstehen simuliert der Computer Intelligenz, welche die menschliche Intelligenz in dieser spezifischen Domäne übertrifft. Diese schwache Künstliche Intelligenz ist es auch, die für den Juristen/ die Juristin von Interesse sein kann.

Machine Learning

Als Teil der AI umreißt der Begriff Machine Learning (ML) oberbegrifflich die Generierung von Wissen aus Erfahrung. Diese Intelligenz beruht auf Wahrscheinlichkeit und Statistik und nutzt ausgefeilte Algorithmen, um aus Big Data Mengen zu lernen. Maschinelles Lernen erkennt Gesetzmäßigkeiten und Muster in Lerndaten, die nach einer Lernphase verallgemeinert werden können. Es kann trotz Lernfähigkeit nicht selbstständig neue Konzepte kreieren und neue Zusammenhänge verstehen. Wenn der Begriff supervised learning fällt ist damit gemeint, dass menschliches Feedback die Maschine quasi anlernt.

Ein praktisches Beispiel für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Juristerei ist der vielbesprochene „Roboter-Anwalt“ ROSS. Er ist ein Projekt von Studenten der University of Toronto. Sie programmierten auf der Basis der IBM-Software Watson ein Computerprogramm, dass mittels künstlicher Intelligenz anwaltliche Arbeit leisten kann. Der aufbauende kognitive Computer ROSS übernimmt dabei einen Großteil der anfallenden Recherchen und beantwortet gezielt die Fragen seiner menschlichen Kollegen. Sie können mündlich eine Frage stellen, woraufhin sich der Computer den gesamten Gesetzeskorpus durchliest und Leseempfehlungen aus der Gesetzgebung, Rechtsfällen und Sekundärquellen gibt. Außerdem überwacht er zusätzlich das Rechtssystem und informiert bei neuen Entscheidungen. Das System grenzt dabei die Antworten selbst von einer Masse an möglichen Antworten auf die relevantesten ein und lernt bei jeder neuen Aufgabe, sodass es seine Ergebnisse permanent selbst verbessert.

Obwohl die Recherche Arbeit ein essentieller Teil des anwaltlichen Arbeitspensum ist hinken wir deutschsprachigen Raum mit solcher Technologie noch ein wenig nach.

in diesem Sinne — I’ll be back

Ihr Future-Law Team

Sophie Martinetz & Sophie Werner

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