Anschließend an den letzten Blogpost zum Thema Kategorisierung der Legal Tech Start-Ups würden wir in Folge gerne etwas genauer die Gebiete erkunden, in welchen eben diese am wahrscheinlich signifikantesten vertreten sind. (Dies stellt weder eine Rangliste noch eine abschließende Aufzählung dar, ebenfalls ist sie nicht universell repräsentativ.)

Types of Legal Tech Start-Ups

  1. Die erste Gruppe von Legal Tech Start-Ups bietet kommerzielle Rechtsdienstleistungen via self-service. Dies sollte primär den Zugang zum Recht für alle erleichtern. Die prominentesten Lösungen sind online legal document services, welche einfache Rechtshilfe bieten und standardisierte Rechtsschriftsätze für Individuen und kleine Unternehmen kreieren, welche sich solche traditionell nicht leisten konnten. Beispiele hierfür können letztwillige Verfügungen, Scheidungen aber auch andere Verträge sein, welche mit Hilfe automatisierter Dokumentenerstellung verfasst werden. Diese online Services eröffnen neue Türen beim Zugang zu erschwinglichem Rechtsschutz.Eine Erweiterung dieser online Rechtsdokumentenerstellung sind Smart Contracts. Smart Contracts, basieren auf der Blockchain-Technologie und können es ermöglichen automatische Verträge zu erstellen, die bei bestimmten Ereignissen in Kraft treten. Dabei benötigen sie keine menschliche Überwachung. Interessant zum Beispiel beim Thema Lizenzvergabe.
  2. Die zweite Gruppe Legal Tech Start-Ups sind elektronische Rechtsmärkte und Networks sowie facettenreiche Plattformen für L2C, L2B, und L2L (mehr dazu im letzten Post). Diese Modelle von Plattformen verbinden Konsumenten direkt mit Anwälten und eliminieren somit die oftmals traditionell teuren, schwer messbaren Mittelsmännern und reduziert somit Kosten. Auch hier gibt es eine weitere Unterteilung je nach Endverbraucher.
  3. Die dritte Gruppe von Legal Tech Start-Ups erfasst eine große Bandbreite an High-Tech Tools für spezifische Arbeiten und Workflowunterstützung.
    Document-Review ( Kira Diligence Engine, Ebrevia) und E-Discovery (Kcura, Epiq,…): Ersteres kann mithilfe machine learning technology große Datenmengen schneller verarbeiten und durchsuchen, E-Discovery geht dann noch einen Schritt weiter und durchforstet die Dokumente nicht nur, sondern kann auch sammeln, sichern, analysieren, etc…
    Automatisierte Dokumentenerstellung (ContractExpress): ermöglicht die Produktion eines Rechtsschriftsatzes nach einer interaktiven Konsultation des Verbrauchers mit entweder einem Juristen oder online legal document services
    Vertragsmanagement (lexalgo.com) : umfasst das erstellen, bearbeiten und verfolgen eines Vertrages und erstellt unter Umständen Verbindungen zwischen zusammenhängenden Verträgen für den Anwalt. Immer mehr wird auch hier Natural Language Processing sowie Machine Learning Technologie eingesetzt.
    Rechtsrecherchetools(RavelLaw, CaseText): vor allem in Amerika viel eingesetzt beim Durchsuchen etlicher Präzedenzfälle. Predictive Analytics vermehrt genutzt um vorherzusehen wie sich ein Gericht entscheiden wird.
    Legal Practice Management Solutions: Als das Herzstück der Rechtsabteilung konzentrieren sich viele der High-Tech Tools auf die Arbeitsschritte im Backoffice wie z.B.: Rechnungen stellen, Kalendarverwaltung, Projektmanagement, Klientenmanagement,… . Mögliche Lösungen hierfür sind etwa online Verhandlungsräume für Klienten und Anwalt oder Kollaborationsplattformen.Die Verbindung der verschiedenen Managementlösungen kann die Effizienz des Anwalts steigern und Einsparungen an den Klienten weitergeben.
  4. Bei der vierten Gruppe handelt es sich um die disruptiven Online Dispute Resolutions(ODR), welche dem Konzept eines virtuellen Gerichts folgen und somit die Nachfrage an traditionelle Gerichte verringert. Viele deutsche ODR Start-Ups befassen sich mit Sammelklagen eines spezifischen juristischen Problems, am prominentesten wahrscheinliche jene der Flugverspätung. (flightsright.de , fairplane.de) Der Klient trägt dabei selbst kein finanzielles Risiko, nur bei erfolgreicher Klasgsdurchsetzung erhält der Anbieter einen Provisionsanteil.
  5. Die fünfte und letzte Gruppe der Legal Tech Start-Ups befasst sich mit Künstlicher Intelligenz und deren Einsatz in der Anwalterei. Das vermutlich bekannteste Beispiel hierfür ist der ROSS basierend auf IBMs kognitiver Computertechnologie. Er wurde entwickelt, um Fragen zu beantworten, die in digitaler Form in natürlicher Sprache eingegeben werden können.
    Generell haben eine ansteigende Anzahl von Legal Tech Start-Ups angefangen Künstliche Intelligenz für ihre eigenen Lösungen zu nutzen.

Ihr Future-Law Team,

Sophie Martinetz & Sophie Werner

  Sophie Werner