Nachdem wir uns letztes Mal mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinandergesetzt haben, wird in Folge versucht die Thematik in ein anschaulicheres Beispiel der Praxis zu übersetzen. Mit dem wahrscheinlich größten Anwendungsfeld von Artififcial Intelligence in der Rechtsbranche, der Vertragsanalyse. Hoffentlich wird aus E.T. bald A.I.

Um die Fehleranfälligkeit des Menschen auszumerzen wird bei der Vertragsanalyse- und Bewertung vermehrt Technik aus dem Reservoir Künstliche Intelligenz genutzt. Die Anforderungen an die Softwares sind: Sachverhalte richtig erkennen und diese juristisch bewerten. Wie Stereotyp und auch tatsächlich bekannt ist die Semantik von juristischen Texten jedoch in ihrer Komplexität oft schwer zu erfassen. Folglich auch die größte Herausforderung für die derzeit vorhandenen Softwares. Um den Inhalt eines Vertrages sowie bestimmte Klauseln und deren Inhalt zu eruieren gibt es grundsätzlich zwei Techniken.

  • Einprogrammierte Regeln erkennen den Vertragsinhalt: wenn beispielsweise das Wort Arbeitnehmer vermehrt vorkommt handelt es sich wahrscheinlich um einen Arbeitsvertrag (wenn-dann-Beziehungen). Problematisch ist immer noch, dass die Softwares nicht lernfähig sind und Schwierigkeiten haben mit komplexeren Texten umzugehen
  • Einige Unternehmen versuchen nun Machine-Learning-Algorithmen zu implementieren, welche den Inhalt eines Vertrages/ einer Klausel basierend auf Erfahrungswissen erkennen kann.

Die rechtliche Bewertung von Verträgen ist derzeit noch nicht zufriedenstellend. Zum einen wegen territorial unterschiedlich regulatorischen Bestimmungen, zum anderen wegen der Schwierigkeit unstandardisierte Verträge wie ein Anwalt/ eine Anwältin zu bewerten.

Ein Test, welcher allerdings einen Einblick zukünftige Möglichkeiten gewährt wurde in Zusammenarbeit mit Rechtsprofessoren der Stanford University, der Duke University School of Law und der University of Southern California gemacht. Eine von LawGeex geschaffene Künstliche Intelligenz präsentiert sehenswerte Resultate. Den Anwälten in diesem Test wurden fünf Geheimhaltungsverträge („non-disclosure agreements“) vorgelegt. Sie hatten vier Stunden Zeit diese genauer unter die Lupe zu nehmen und zu analysieren. In den Verträgen waren 30 rechtliche Probleme versteckt, die identifiziert werden mussten. Der Algorithmus brauchte 26 Sekunden und erreichte eine Genauigkeit von 94 Prozent. Die Anwälte benötigten im Schnitt 92 Minuten und waren zu 85 Prozent genau.

Das Berufsbild Rechtsberater wird nicht obsolet, wie man auch einigen Studien entnehmen kann. Die Juristerei muss allerdings gewisse Adaptionen vornehmen. Durch Künstliche Intelligenz ergeben sich neue Berufsfelder in Kanzleien und Rechtsabteilungen, da Implementierung und Pflege von KI- und Legal Tech menschliche Unterstützung benötigen. Dies wiederum ändert entscheidend das Anforderungsprofil von Juristen. Was uns verstehen lässt wie weit die Kreise sind, die diese Änderungen ziehen, da die Neuerungen sich früher oder später auch an den Universitäten niederschlagen müssen, um zukünftige Rechtsberater für die neuen Herausforderungen vorzubereiten.

Ihr Future-Law Team,

Sophie Martinetz  Sophie Werner